Review by Sebastian Lucke:

In Zusammenarbeit mit Custom Scale Division und mir entstanden die folgenden Griffschalen für das Pohl Force Charlie One.

Im November 2010 wurde das Charlie One vorgestellt. Ein Messer das mit dem Oberland Arms/ Pohl Force CT-1 viel gemeinsam hat – jedoch fehlen diesem die Griffschalen. Anstelle dieser besitzt das Charlie One einen, in Form eines Schäkelöffners gestalteten, Griffdurchbruch. Dieser ist auch von dem Chris Reeve - Professional Soldier bekannt. Chris Reeve und Dietmar Pohl sind befreundet und die Verwendung an dem Charlie One erfolgt mit Erlaubnis. Der Griffdurchbruch reduziert das Gewicht und bietet neben der Funktion als Schäkelöffner auch die Möglichkeit, das Messer mit einer Griffwicklung aus Paracord auszustatten.

Zum Schäkel öffnen habe ich ihn noch nie gebraucht, jedoch schaut er einfach elegant und harmonisch aus.

Das Konzept:

Ein Ganzstahlmesser hat seine Vor- und Nachteile. Es ist leicht zu reinigen, robust, trägt nicht auf und ist somit als EDC sehr gut geeignet. Jedoch bleibt der Griffkomfort dabei immer etwas auf der Strecke und deshalb können sich viele mit diesem Konzept nicht anfreunden.
Deshalb stellt sich die Frage nach passenden Griffschalen für das Charlie One. In Kombination mit Griffschalen bietet das Messer mehr Flexibilität. Bei Aufgaben, nach welchen das Messer unkompliziert und einfach gereinigt werden soll oder wo es auf hohen Tragekomfort (bspw. als EDC-Messer) ankommt, wird es ohne Griffschalen genutzt. Ist man im Wald unterwegs und möchte längere Zeit kraftvolle Aufgaben wie Holzarbeiten (bspw. Bau eines Lagers, schnitzen etc.) ausführen nutzt man das Messer mit Griffschalen. Je nach belieben.

Die Griffschalen:

Der große Schäkelöffner bietet gute Voraussetzungen für die Montage von Griffschalen. Und so nahm ich aufgrund meiner Idee Kontakt mit Luke von Cuscadi auf. Selbst im Besitz eines Charlie One gefiel ihm diese Idee gut, hatte Cuscadi doch schon selbst einige Griffschalenpaare für dieses Messer gebaut. Jedoch hatte ich gewisse Vorstellungen die mir bei der Umsetzung sehr wichtig waren. Das Messer besitzt durch die Klingenform mit ausgeprägter Fehlschärfe und leicht nach unten abgesetzer Klinge ein sehr dynamisches Erscheinungsbild. Die Griffschalen sollten nicht zu aufdringlich und damit das Messer im Gesamten zu überladen wirken. Auch war mir wichtig, dass der Charakter der Ganzstahl-Ausführung nicht komplett verloren geht. Entgegen dem CT-1 bietet das Charlie noch Riffelungen im unteren Griffbereich. Das diese, wie auch die im Bereich der Fangriemenöse, mit montierten Griffschalen nicht ihren Nutzen verlieren war mir ebenso wichtig.

Im Gesamtpaket sollten Griffschalen entstehen, die sich in das Design gänzlich einfügen und die Linienführung des Messers unterstreichen. Eine gewisse Leichtigkeit sollte beibehalten werden.

Nach einigen Skizzen und Ideenaustausch wurde ein erster Entwurf aus einfachem Holz angefertigt, um die Proportionen und Details am Messer besser bewerten zu können. Meine Änderungswünsche und Kritikpunkte teilte ich Luke mit, der diese auch in einer zweiten Stufe, einer Version aus Micarta umsetzte. Das finale Paar wurde aus Carbon gefertigt. Der leicht dreidimensionalen Effekt und die glänzende Struktur der einzelnen Lagen machen das Material optisch sehr reizvoll. Zudem sollten die Griffschalen sowohl zu dem Outdoor als auch Survival passen.

Die Griffschalen haben eine Stärke von knapp 6mm. Die Kanten sind angeschrägt und anschließend fein gebrochen und hochglanzpoliert. Befestigt werden diese mit je zwei Inbusschrauben in Gewindehülsen, die in einem Inlay eingelassen sind. Das Inlay sitzt passgenau in der Öffnung des Schäkelöffners. Die Montage bzw. Demontage dauert nur einige Sekunden, da nur zwei Schrauben gelöst werden müssen.

Durch die Griffschalen liegt das Messer satt in der Hand. In Verbindung mit dem Griffkonzept sehr angenehm. Die Schalen sind umlaufend circa 1,2 mm reduziert um die Griffigkeit der Profilierungen weiter zu erhalten. Ferner wirken die Schalen dadurch auch nicht zu mächtig. Bei der Fangriemenöse habe ich mich dazu entschlossen, diese gänzlich auszusparen. So erinnert dieser Bereich noch etwas an die Ganzstahlausführung. Den notwendigen Auflagebreich für den kleinen Finger bietet die kleine langezogene „Nase“, die auf Höhe der Fangriemenöse abschließt. Zudem sind die Griffschalen nicht gefährdet, wenn der Griffabschluß einem Holzstück mal als Schlagfläche dienen muss.
Um die vordere obere Rundung der Griffschalen noch etwas interessanter zu gestalten und zusätzlichen seitlichen Grip zu erhalten wurde die erste Vertiefung der Daumenauflage in die Griffschalen aufgenommen und im Bereich der Rundung weitergeführt.

Der Abstand zum Logo ist ausreichend und wirkt ausgewogen. Wichtig war ferner auch, dass das Messer mit montierten Griffschalen, auch mit der, im Lieferumfang enthaltenen, Kydex weiter genutzt werden kann. An dieser Stelle gibt es keine Probleme – das Messer sitzt weiterhin perfekt.

Die Zusammenarbeit mit Cuscadi hat viel Freude bereitet. Die Griffschalen sind sehr fein und hochwertig gearbeitet.

Mit Griffschalen ist das Charlie One fast wie ein anderes Messer. Mit Schalen aus Carbon wiegt es nun 40 Gramm mehr (Gesamtgewicht 160 Gramm). Je nach Interesse und Einsatzzweck lassen sich aber auch andere Materialien verwenden. Orangenes Micarta - robust und um es in Wald und Wiese wiederzufinden. Oder beispielsweise Wüsteneisenholz als Edelvariante. Mit zusätzlichen Grooves versehen für viel Grip.

Für mich bietet das Charlie One damit mehr Flexibiltät und noch mal eine „Schüppe“ mehr Messer. Preislich landet man im Bereich des Professional Soldier ohne Griffschalen und mit einer Kydex, die eine Montage solcher, ohne Modifizierung, nicht erlaubt.

In dieser Kombination könnte das Charlie One damit für den ein oder anderen eine interessante Alternative sein.